Erstaufnahmestelle Ost

In Traiskirchen ist eine von zwei Erstaufnahmestellen für AsylwerberInnen in Österreich angesiedelt, die Erstaufnahmestelle (EASt) Traiskirchen, die vom Bundesministerium für Inneres verwaltet wird.

Ursprünglich als Kadettenschule errichtet, wurde in dem weitläufigen Areal 1956 erstmals ein Flüchtlingslager eingerichtet: Nachdem sowjetische Streitkräfte den Ungarischen Volksaufstand brutal niedergeschlagen hatten, flohen Tausende westwärts nach Österreich. Seitdem spiegeln sich in seinen BewohnerInnen die globalen Kriege, Krisen und Flüchtlingswellen. 1968 Tschechoslowakei, 1973 Chile, 1982 Polen, 1989 Rumänien, in den 90er die Balkankriege, 1999 Afghanistan, später dann Irak und Syrien. 2015 wurde der Höhepunkt mit über 4.500 Flüchtenden erreicht. Neben manchem Ärger hat diese Situation in der Traiskirchner Bevölkerung vor allem eine Welle der Solidarität und Hilfsbereitschaft ausgelöst.

Das Flüchtlingslager Traiskirchen ist wohl das größte und bekannteste des Landes. Asyl in Österreich beginnt fast immer in Traiskirchen, wo Flüchtlinge in den ersten Wochen nach ihrer Ankunft untergebracht sind und dann in weitere Quartiere weitergeleitet werden. Im Durchschnitt sind die Menschen, die in der Erstaufnahmestelle in Traiskirchen unterkommen, drei Monate vor Ort. In Traiskirchen haben in den letzten sechs Jahrzehnten über eine Million Menschen ein vorübergehendes Quartier gefunden.

Von der Kadettenschule zur Erziehungsanstalt

1903 wurde das Gebäude als Artillerie-Kadettenschule durch Reichskriegsminister Heinrich von Pitreich eröffnet. Auf einer Gesamtfläche von 190.302 m2 Fläche wurden hier Quartiere, Stallungen und eine Schwimmschule für die k.u.k. Kadetten errichtet.

Nach dem Zusammenbruch der Monarchie 1918 wurde das Areal als Bundeserziehungsanstalt für Burschen genutzt. Die Nationalsozialisten führten das Haus als Nationalpolitische Erziehungsanstalt (NPEA). In der Besatzungszeit wurde die Kaserne von den Russen vereinnahmt und war Stützpunkt für ein Regiment von rund 2.000 Mann.