GP: Was fasziniert Sie persönlich an der Arbeit mit historischen Dokumenten?
CH: Man kann eintauchen in Lebenswelten aus anderen Zeiten. Zudem finde ich es faszinierend, die politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen innerhalb der Kommune nachvollziehen zu können.
GP: Welche Aufgaben erfüllt das Stadtarchiv konkret?
CH: Das Stadtarchiv erfüllt mehrere Hauptaufgaben: Zum einen die Aufbewahrung und langfristige Sicherung von Archivgut wie Akten oder Urkunden. In diesen Bereich spielt auch die Rechtssicherheit hinein, indem das Handeln der Stadtgemeinde nachvollziehbar bleibt. Aufbewahrt werden auch Karten und Fotos. Dann die Erschließung der Bestände, damit diese Akten später wieder auffindbar sind. Außerdem die Öffentlichkeitsarbeit: Auskünfte an Bürger, Hilfe bei Forschungsanfragen sowie stadtinterne Archivanfragen. Hinzu kommt die enge Zusammenarbeit mit dem Museum bezüglich Recherche und Darstellung der Stadtgeschichte.
GP: Wie viele Bestände und Dokumente werden hier verwahrt – und aus welchen Zeiträumen stammen sie?
CH: Die Anzahl an Fotos im Stadtarchiv hat mittlerweile 32.000 erreicht. Die Dokumente umfassen rund 200 Laufmeter. Die ältesten Bilder stammen vom Ende des 19. Jahrhunderts, bei den Dokumenten umfasst der Zeitrahmen in Einzelfällen rund 400 Jahre.
GP: Gibt es ein besonderes Dokument oder Fundstück, das Ihnen besonders am Herzen liegt?
CH: Das historisch wichtigste Dokument ist ein Ratsprotokoll aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Hier werden auf mehreren hundert Seiten alle Ratssitzungen – das umfasste damals die sogenannte „kleine Gerichtsbarkeit“ – dargestellt und man bekommt so einen detaillierten Einblick in das Lebensmilieu des 17. Jahrhunderts. Das Ratsprotokoll wurde bereits transkribiert und wird gerade von einer Restauratorin bearbeitet, die Schäden an dem Dokument beseitigt.
GP: Wie können Bürger:innen das Stadtarchiv nutzen – braucht man einen speziellen Anlass oder ist es für alle offen?
CH: Das Stadtarchiv steht allen historisch interessierten Bürgern offen. Ob Genealogie, Stadtgeschichte oder das Bildarchiv: nach Terminvereinbarung kann jederzeit Einsicht in die Bestände genommen werden. Natürlich unter dem Vorbehalt, dass es der Datenschutz zulässt.
GP: Welche Angebote oder Veranstaltungen planen Sie, um Geschichte lebendig zu machen?
CH: Nach dem Buch „Traiskirchen – Geschichte einer Stadt“, das wir mit Autor Peter Glanninger veröffentlich haben, ist momentan die Vorbereitung für die Stadtgeschichte-Ausstellung im Museum der Schwerpunkt. Dort wird anlässlich des 100jährigen Jubiläums der Stadterhebung 2027 eine Schau über die Geschichte Traiskirchens eröffnet. Außerdem nehmen wir Sie in jeder Ausgabe der Gemeindepost und jeden Donnerstag auf dem Instagram-Kanal der Stadt mit auf eine Reise in Traiskirchens bewegte Geschichte – mit faszinierenden Rückblicken und überraschenden Fundstücken aus dem Stadtarchiv.
Stadtarchiv Traiskirchen
Hauptplatz 6 - im Zubau der Nikolauskirche
stadtarchiv@traiskirchen.gv.at