Stadtgemeinde Traiskirchen

Hüter der Geschichte

Ein Plausch mit Christian Horvath vom Stadtarchiv

Ein Plausch mit  Christian Horvath vom Stadtarchiv
Archivmitarbeiter Christian Horvath bewahrt und erforscht die Geschichte Traiskirchens. Im Stadtarchiv lagern rund 32.000 Fotos und Dokumente aus vier Jahrhunderten. Das Stadtarchiv Traiskirchen ist das Gedächtnis der Stadt: Hier werden Protokolle, Akten und Urkunden gesammelt, bewahrt und für Forschung, Bildung und Rechtssicherheit zugänglich gemacht. Es unterstützt zudem Bürger:innen, Schüler:innen und Forscher:innen bei historischen und genealogischen Projekten.

Gemeindepost (GP): Wie sind Sie zu dieser Aufgabe gekommen?
Christian Horvath (CH): Die Stadtgemeinde unter Bürgermeister Andi Babler hat mich für die Medienbeobachtung der Stadt engagiert. Damit einhergehend habe ich auch die Agenden des Stadtarchivs unter Leitung von Mag. Karin Neschi-Rektorik übernommen. Für diese Aufgaben habe ich sowohl im Staatsarchiv als auch im Niederösterreichischen Landesarchiv eine Ausbildung absolviert.

GP: Seit wann sind Sie im Archiv tätig, und wie hat sich Ihre Arbeit im Laufe der Jahre verändert?
CH: Ich bin seit 2018 im Archiv beschäftigt. Auffallend ist in den letzten Jahren die verstärkte Zahl der Anfragen bezüglich Familienforschung. In diesem Bereich gibt es Jahr für Jahr mehr Interessierte, die Details über ihre Vorfahren erfahren wollen. Es ist auch immer ein Highlight des Jobs, hier weiterhelfen zu können.

GP: Was fasziniert Sie persönlich an der Arbeit mit historischen Dokumenten?
CH: Man kann eintauchen in Lebenswelten aus anderen Zeiten. Zudem finde ich es faszinierend, die politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen innerhalb der Kommune nachvollziehen zu können.

GP: Welche Aufgaben erfüllt das Stadtarchiv konkret?
CH: Das Stadtarchiv erfüllt mehrere Hauptaufgaben: Zum einen die Aufbewahrung und langfristige Sicherung von Archivgut wie Akten oder Urkunden. In diesen Bereich spielt auch die Rechtssicherheit hinein, indem das Handeln der Stadtgemeinde nachvollziehbar bleibt. Aufbewahrt werden auch Karten und Fotos. Dann die Erschließung der Bestände, damit diese Akten später wieder auffindbar sind. Außerdem die Öffentlichkeitsarbeit: Auskünfte an Bürger, Hilfe bei Forschungsanfragen sowie stadtinterne Archivanfragen. Hinzu kommt die enge Zusammenarbeit mit dem Museum bezüglich Recherche und Darstellung der Stadtgeschichte.

GP: Wie viele Bestände und Dokumente werden hier verwahrt – und aus welchen Zeiträumen stammen sie?
CH: Die Anzahl an Fotos im Stadtarchiv hat mittlerweile 32.000 erreicht. Die Dokumente umfassen rund 200 Laufmeter. Die ältesten Bilder stammen vom Ende des 19. Jahrhunderts, bei den Dokumenten umfasst der Zeitrahmen in Einzelfällen rund 400 Jahre.

GP: Gibt es ein besonderes Dokument oder Fundstück, das Ihnen besonders am Herzen liegt?
CH: Das historisch wichtigste Dokument ist ein Ratsprotokoll aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Hier werden auf mehreren hundert Seiten alle Ratssitzungen – das umfasste damals die sogenannte „kleine Gerichtsbarkeit“ – dargestellt und man bekommt so einen detaillierten Einblick in das Lebensmilieu des 17. Jahrhunderts. Das Ratsprotokoll wurde bereits transkribiert und wird gerade von einer Restauratorin bearbeitet, die Schäden an dem Dokument beseitigt.

GP: Wie können Bürger:innen das Stadtarchiv nutzen – braucht man einen speziellen Anlass oder ist es für alle offen?
CH: Das Stadtarchiv steht allen historisch interessierten Bürgern offen. Ob Genealogie, Stadtgeschichte oder das Bildarchiv: nach Terminvereinbarung kann jederzeit Einsicht in die Bestände genommen werden. Natürlich unter dem Vorbehalt, dass es der Datenschutz zulässt.

GP: Welche Angebote oder Veranstaltungen planen Sie, um Geschichte lebendig zu machen?
CH: Nach dem Buch „Traiskirchen – Geschichte einer Stadt“, das wir mit Autor Peter Glanninger veröffentlich haben, ist momentan die Vorbereitung für die Stadtgeschichte-Ausstellung im Museum der Schwerpunkt. Dort wird anlässlich des 100jährigen Jubiläums der Stadterhebung 2027 eine Schau über die Geschichte Traiskirchens eröffnet. Außerdem nehmen wir Sie in jeder Ausgabe der Gemeindepost und jeden Donnerstag auf dem Instagram-Kanal der Stadt mit auf eine Reise in Traiskirchens bewegte Geschichte – mit faszinierenden Rückblicken und überraschenden Fundstücken aus dem Stadtarchiv.

Stadtarchiv Traiskirchen

Hauptplatz 6 - im Zubau der Nikolauskirche

stadtarchiv@traiskirchen.gv.at