Stadtgemeinde Traiskirchen

Feuerwehrmann Mit Fleisch und Blut

Ein Plausch mit Feuerwehrkommandant Oliver Stocker

Ein Plausch mit Feuerwehrkommandant Oliver Stocker
Brandrat Oliver Stocker, Feuerwehrkommandant der Stadt Traiskirchen und Abschnittsfeuerwehrkommandant Traiskirchen, ist Vater einer Tochter und seit 1988 Mitglied der Feuerwehr. Seit nunmehr 20 Jahren steht er der Feuerwehr als Kommandant vor. Neben seiner großen Leidenschaft für das Feuerwehrwesen sucht der 50-Jährige auch sportlich regelmäßig neue Herausforderungen. In seiner Freizeit trainiert er intensiv für persönliche Ziele, wie den Ötztaler Radmarathon, bei dem er 2022 und 2023 die 227 Kilometer und 5.500 Höhenmeter über die Alpen bewältigte. Einen besonderen Ausgleich findet er zudem im Eiswasserbaden.

Gemeindepost (GP): Was hat Sie motiviert, zur Feuerwehr zu gehen?
Oliver Stocker (OS): Das war immer ein großer Kindheitstraum von mir. Am Anfang standen ganz klar Spaß und Abenteuer im Vordergrund. Ich war immer jemand, der überall dabei sein wollte, der mitmachen wollte, für jeden Spaß zu haben war. Aber schon bald hat die Faszination für die eigentliche Aufgabe der Feuerwehr überwogen. Es ging nicht mehr nur um Action, sondern darum, wirklich etwas für andere zu tun.

GP: Warum machen Sie das bis heute?
OS: Die Antwort ist einfach: Wenn wir nur für uns handeln, geht der gesellschaftliche Zusammenhalt verloren. Irgendjemand muss Verantwortung übernehmen, und ich will meinen Beitrag leisten. Heute ist es das schönste Gefühl, wenn Du Menschen helfen kannst – und dieses Gefühl, wenn Du ein ehrliches ,Danke‘ bekommst, ist mit Geld nicht aufzuwiegen.

 

GP: Die Einsätze sind oft sehr belastend. Wie gehen Sie damit um?
OS: Mit Tragödien fertig zu werden ist natürlich immer schwierig. Da muss man versuchen, menschlich zu sein, es aber auch nicht zu nah an sich heranzulassen. Darüber zu reden hilft ungemein. Wir sehen vieles – Bilder, die man nicht mehr aus dem Kopf bekommt: Menschen, die durch Brände oder Unfälle sterben, aber auch solche, die den Freitod wählen. Das Gespräch unter Kameraden und Kameradinnen ist sehr hilfreich, um solche Erfahrungen zu verarbeiten. Natürlich entwickelt man mit der Zeit eine gewisse Routine. Wenn ich merke, dass jemand belastet ist, biete ich Hilfe an.

GP: Was hat sich im Lauf der Jahre bei den Einsätzen verändert?
OS: Besonders im Straßenverkehr hat sich in puncto Sicherheit vieles getan. Durch moderne Assistenzsysteme gibt es weniger Unfälle, vor allem weniger mit Todesfolge. Auch im Brandschutz hat sich einiges getan, sowohl bei der Ausrüstung als auch bei den Einsatztaktiken.

GP: Was war für Sie die größte Herausforderung beim Einstieg in Ihre Funktion als Feuerwehr-kommandant?
OS: Am schwierigsten war mein Einstieg, weil er sehr kurzfristig erfolgt ist. Heute ist der Job des Feuerwehrkommandanten ein echter Managerjob. Die Tätigkeit ist extrem vielfältig und gleichzeitig sehr zeitintensiv.

GP: Seit 2021 ist Traiskirchen ein eigener Feuerwehrabschnitt. Was hat sich dadurch geändert?
OS: Sehr vieles – und vieles zum Positiven. Wir haben ein eigenes Budget, ich habe einen eigenen Stellvertreter sowie einen eigenen Verwaltungsstab Mitarbeiter. Alle machen das natürlich ehrenamtlich. Die eigene Verwaltung und die klar definierten Rollen erleichtern die Arbeit enorm. Wir können unsere Mittel zielgerichtet einsetzen, zum Beispiel im Weiterbildungsbereich. Außerdem haben wir jetzt Mitspracherecht auf Bezirksebene und sind zum Beispiel bei Fahrzeugvergaben in Gespräche mit eingebunden. Einsatzmäßig ändert sich dadurch wenig, aber organisatorisch ist es ein großer Schritt nach vorne.

GP: Die Feuerwehren der Stadt waren in den letzten Jahren sehr aktiv. Was waren die Highlights?
OS: Ein ganz besonderes Projekt war der Bundesjugendfeuerwehrwettbewerb. 52 Jugend-gruppen aus Österreich und Südtirol mit rund 500 jungen Feuerwehrleuten kamen nach Traiskirchen. In Zusammenarbeit mit dem niederösterreichischen Landesfeuerwehrverband und dem österreichischen Bundesfeuerwehr-verband haben wir die gesamte Organisation gestemmt – Schlafplätze, Catering, Transport, Empfänge und Siegerehrungen. Es war ein großartiges Erlebnis, das uns viel positives Feedback gebracht hat. Traiskirchen konnte sich dadurch österreichweit einen hervorragenden Ruf erarbeiten.

GP: Auch Übungen standen im Fokus, besonders zum Thema Waldbrand. Bitte erzählen Sie uns mehr darüber.
OS: In den letzten Jahren haben wir die Ausbildung auf diesem Gebiet intensiviert. Als Anninger Anrainergemeinde ist die FF Pfaffstätten mit speziellen Waldbrandwehr-Gerätschaften aus-gerüstet. Der finale Höhepunkt dieses Projektes war die 2,4 Kilometer lange Wasser-Zubringerleitung, die wir auf die Proksch-Hütte auf den Anninger gelegt haben.

GP: Und wie geht es für Sie weiter?
OS: Anfang Jänner wurde ich in meiner Position als Feuerwehrkommandant in Traiskirchen bestätigt. Im Februar kandidiere ich als Bezirksfeuerwehrkommandant für den Bezirk Baden.

 

ZAHLEN & FAKTEN

Abschnittsfeuerwehrkommando (AFKDO) Traiskirchen

Das AFKDO Traiskirchen wurde am 26.2.2021 gegründet. Der Abschnitt umfasst die Freiwilligen Feuerwehren Traiskirchen-Stadt, Möllersdorf, Wienersdorf, Tribuswinkel, Oeynhausen und Pfaffstätten, sowie die Betriebsfeuerwehr Logwin.

Einsätze
Von diesen sieben Feuerwehren wurden bis Stand Dezember 2025 insgesamt 3.490 Einsätze absolviert: davon 366 Brandeinsätze, 87 Brandsicherheitswachen,
2.408 technische Einsätze und 170 Schadstoffeinsätze. Hierfür wurden in Summe 38.592 Stunden aufgewendet.

Gemeinsamer Fuhrpark

6 Löschfahrzeuge, 11 Tanklöschfahrzeuge,
9 Versorgungsfahrzeuge, 4 Kommandofahrzeuge,
1 Hubrettungsfahrzeug, 5 Wechselladefahrzeuge,
1 Vorausrüstfahrzeug, 7 Mannschafts-transportfahrzeuge, 8 Anhänger, 1 Kranfahrzeug.

Mitglieder

Die aktuell 567 Mitglieder sind 397 Aktive,
104 Reservisten, 66 Mitglieder der Feuerwehrjugend bzw. Kinderfeuerwehr.