GP: Sie machen das alles allein?
IH: (lacht) Ja, größtenteils schon. Aber natürlich habe ich im Rathaus drei Kolleginnen und Kollegen, die ebenfalls die Standesamts- und Staatsbürger-schaftsprüfung abgelegt haben. Sie können mich jederzeit im Urlaub oder Krankenstand vertreten.
GP: Welche Aufgaben fallen denn konkret in Ihr Tätigkeitsfeld?
IH: Das ist sehr vielseitig. Am Standesamt werden Geburten beurkundet, Vaterschaftsanerkenntnisse sowie gemeinsame Obsorgeerklärungen entgegengenommen. Da Geburten immer am Ort des Geschehens beurkundet werden, und wir im Verband kein Krankenhaus haben, beurkunde ich hauptsächlich Hausgeburten. Heuer hatten wir sogar eine 300-prozentige Steigerung gegenüber dem Vorjahr – also drei Geburten statt null! (lacht). Dann gibt es natürlich auch kindesnamensrechtliche Erklärungen, also Namensänderungen. Und ein großer Teil meiner Arbeit sind natürlich Eheschließungen.
GP: Das klingt nach viel Verantwortung – und sicher auch nach schönen Momenten! Hat sich in den letzten Jahren etwas verändert?
IH: Ja, definitiv. Die Zahl der Eheschließungen ist in den letzten drei Jahren deutlich gestiegen – und zwar nicht wegen nachgeholter Hochzeiten aus der Coronazeit. Interessant ist auch, dass mittlerweile viele Paare in den Wintermonaten heiraten. Heuer im November habe ich zum Beispiel so viele Hochzeiten wie sonst in einem typischen Frühlingsmonat. Zur Vorbereitung auf die Eheschließungen muss ich Ermittlungen der Ehefähigkeit durchführen. Früher nannte man das im Volksmund „Aufgebot“. Ich stelle auch Ehefähigkeitszeugnisse nach bilateralen Abkommen aus und nehme ehenamensrechtliche Erklärungen oder Wiederannahmen früherer Familiennamen entgegen.
GP: Zum Abschluss noch ein etwas ernsteres Thema: Auch Sterbefälle fallen in Ihren Aufgabenbereich, richtig?
IH: Ja, das gehört ebenfalls dazu. Ich beurkunde Sterbefälle und stelle internationale Überführungsbewilligungen, sogenannte Leichenpässe, aus. Viele fragen mich oft: „Was ist das überhaupt?“ – Ein Leichenpass wird benötigt, wenn jemand im Ausland begraben werden soll. Damit wird die Überführung der verstorbenen Person offiziell bewilligt.
GP: Sie betreuen also das gesamte Leben – von der Geburt bis zum letzten Schritt.
IH: Genau so ist es. Das macht diesen Beruf so besonders. Ich begleite Menschen in allen Lebensphasen – und das mit viel Herz und Respekt.
GP: Vielen Dank, Frau Hauser, für diesen spannenden Einblick in Ihre Arbeit und für Ihr langjähriges Engagement im Dienste der Bürgerinnen und Bürger!