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Traiskirchner Telefonzellen bei der Kunstbiennale in Venedig

Traiskirchner Telefonzellen bei der Kunstbiennale in Venedig
Die Telefonzellen im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen konnten 2022 nur durch den Zaun fotografiert werden. Das Betreten des Areals ist streng verboten. Foto: Anna Jermolaewa

Anna Jermolaewa engagierte sich in den späten 1980er Jahren in Russland für die politische Opposition. Dadurch geriet sie ins Visier des KGB und musste aus dem Land fliehen. In Österreich erhielt sie schließlich politisches Asyl. 1989 verbrachte die Künstlerin einen Monat im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen. Dort verwendete sie selbst genau diese Telefonzellen, um ihre Familie in Leningrad zu verständigen, dass sie im Westen angekommen war.

Im Mittelpunkt ihres Werks: die sechs Telefonzellen des Erstaufnahmezentrums Traiskirchen, die für viele Flüchtende, wie auch Anna Jermolaewa selbst, den Kontakt in die Welt bedeuteten. 

Die meisten internationalen Anrufe in ganz Österreich

Durch den Mobilfunk obsolet geworden, wurden die Telefonzellen erst kürzlich in Traiskirchen abgebaut. Dadurch konnten sie in Venedig als Kunstinstallation mit dem Titel „Untitled (Telephone Booths)“ aufgebaut werden. Mit diesen sechs, auf den ersten Blick unscheinbaren Telefonapparaten wurden seinerzeit laut Statistik die meisten internationalen Anrufe in ganz Österreich getätigt. An den Wänden stehen Notizen von Asylsuchenden. Die Zellen werden in der Ausstellung zu Symbolen: sie weisen auf die Unsicherheit, aber auch auf die Hoffnung von Menschen auf der Flucht hin, die ihr Zuhause hinter sich gelassen haben und nicht wissen, was als Nächstes passieren wird.

 

In den Giardini, dem Ausstellungsgelände in Venedig, haben sie nun ein zweites Leben bekommen: Die Telefonzellen sind funktionstüchtig und können von den Besucher:innen benutzt werden. Der Weg dorthin erfolgte spektakulär über die Kanäle Venedigs. Die Kunstbiennale ist noch bis 24. November 2024 geöffnet.