Stadtgemeinde Traiskirchen

Auf einen Plasch mit Mag.a Hedwig Wölfl, Geschäftsführerin der Kinderschutzorganisation “die möwe”

Kinderschutz als gemeinsame Verantwortung

Kinderschutz als gemeinsame Verantwortung
Mit der Zusammenarbeit mit der „möwe“ setzt Traiskirchen auf nachhaltige und professionelle Kinderschutzarbeit. Ziel ist es, klare Strukturen zu schaffen, damit Kinder und Jugendliche sicher aufwachsen können. Eine eigene Steuerungsgruppe aus Vertreterinnen der Stadt und ”der möwe“ wird ein umfassendes Kinderschutzkonzept erarbeitet. Mit Sabrina Ilijin gibt es zudem eine eigene Kinderschutzbeauftragte in der Verwaltung. Nina Panozzo, Manuela Malits, Birgit Paulitsch, Sabrina Ilijin, STRin Karin Blum, GRin Julia Gurnhofer und Mag.a Hedwig Wölfl © Stadtgemeinde Traiskirchen

Gemeinsam mit Expert:innen der Kinderschutzorganisation „die möwe“ werden konkrete Präventionsmaßnahmen entwickelt. Ziel ist es, Risiken frühzeitig zu erkennen, Mitarbeiter:innen zu schulen und klare Handlungsleitfäden für den Ernstfall zu schaffen. 

Gemeindepost (GP): Frau Wölfl, was bedeutet Kinderschutz heute?
Hedwig Wölfl: Kinderschutz heißt, das Wohl der Kinder in den Mittelpunkt zu stellen und ihnen gute Bedingungen für ein sicheres und gesundes Aufwachsen zu ermöglichen. Und dort, wo Kinder Gewalt erleben, braucht es verantwortungsvolle Erwachsene, die hinschauen, eingreifen und helfen.

GP: Traiskirchen setzt bewusst auf Prävention. Wie wichtig ist dieser Ansatz?
Wölfl: Prävention ist der wirksamste Kinderschutz. Wenn wir es schaffen, Risiken früh zu erkennen und zu vermeiden, müssen Kinder gar nicht erst belastende Erfahrungen machen. Es ist ein sehr starkes Signal, wenn eine Stadt sagt: Wir schauen hin, wir übernehmen Verantwortung und wir entwickeln gemeinsam Lösungen. Besonders wichtig ist dabei, auch Kinder und Jugendliche einzubeziehen und sie zu fragen: Was hilft euch?

 

GP: Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen?
Wölfl: Ein ganz großes Thema ist der digitale Kinderschutz. Kinder kommen immer früher mit digitalen Medien in Kontakt – oft ohne ausreichende Begleitung. Das kann die Entwicklung beeinträchtigen, zu Schlafproblemen oder psychischen Belastungen führen. Gleichzeitig gibt es im Internet auch konkrete Gefahren wie Mobbing, Erpressung oder das Verbreiten von intimen Bildern. Hier müssen wir als Erwachsene dranbleiben, auch wenn wir die digitalen Lebenswelten oft nicht so gut kennen wie die Kinder selbst.

GP: Wie kann man im Alltag reagieren, wenn man das Gefühl hat, einem Kind geht es nicht gut?
Wölfl: Das Wichtigste ist, aufmerksam zu sein. Hinschauen, zuhören und ansprechbar sein. Wenn sich ein Verdacht erhärtet oder es um ernsthafte Situationen geht, sollte man sich Unterstützung holen – etwa bei der Kinder- und Jugendhilfe oder bei einer Kinderschutzeinrichtung wie der „möwe“. Niemand muss solche Situationen alleine lösen.

GP: Wie unterstützt die „möwe“ die Stadt konkret?
Wölfl: Wir begleiten die Stadt dabei, Kinderschutzkonzepte zu entwickeln – also klare Regeln und Handlungsleitfäden zu erstellen. Das gibt Sicherheit für Mitarbeiter:innen, etwa im Umgang mit Verdachtsfällen. Zusätzlich bieten wir Beratung, Therapie und auch Prozessbegleitung an, wenn es notwendig wird.

GP: Können Sie ein einfaches Beispiel aus der Praxis nennen?
Wölfl: Kinderschutz betrifft alle Lebensbereiche – auch Vereine oder Freizeitangebote. Wenn etwa ein Kind in einem Sportverein gemobbt oder ausgeschlossen wird, ist es wichtig, dass Erwachsene eingreifen, klare Grenzen setzen und Unterstützung holen. Es geht immer darum, ein respektvolles Miteinander sicherzustellen und Kinder vor Übergriffen zu schützen.

GP: Warum ist es so wichtig, offen über dieses Thema zu sprechen?
Wölfl: Gewalt an Kindern ist ein sehr sensibles Thema und wird oft verdrängt. Genau das müssen wir überwinden. Je offener wir darüber sprechen, desto besser können wir hinschauen und handeln. Kinderschutz beginnt bei Bewusstsein – und bei der Entscheidung, nicht wegzusehen.

Kinderrechte

  • Du hast das Recht auf Erholung, Spiel und eine deinem Alter entsprechende Freizeitgestaltung.
  • Du hast das Recht auf genügend Essen und Trinken, passende Kleidung und eine Wohnung.
  • Du hast das Recht auf einen eigenen Namen und die Zugehörigkeit zu einem Land oder einer Gruppe.
  • Du hast das Recht auf Liebe und Verständnis sowie darauf, in Freiheit und in einer sicheren Umgebung aufzuwachsen.
  • Du hast das Recht, fair und gleich behandelt zu werden. Niemand darf dich benachteiligen – egal wie du bist, aussiehst oder woher du kommst.
  • Du hast das Recht, vor jeder Gewalt geschützt zu sein und ohne Gewalt aufzuwachsen.
  • Du hast das Recht, dass deine Eltern und alle Verantwortlichen gut für dich sorgen und auf dich achten.
  • Du hast das Recht auf Lernen, Förderung deiner Interessen und eine Ausbildung.
  • Du hast das Recht auf eine eigene Meinung, sie zu äußern und darauf, dass deine Privatsphäre geschützt bleibt.

 

"Kinderschutz bedeutet, hinzuschauen, zuzuhören und Verantwortung zu übernehmen – überall dort, wo Kinder sind. Der wirksamste Kinderschutz ist die Prävention – wenn wir Risiken früh erkennen, müssen Kinder belastende Erfahrungen gar nicht erst machen". so Magistra Hedwig Wölfl. Psychologin, Psychotherapeutin und Geschäftsführerin “die möwe”